“Ich bewundere den Aufruhr der Natur – denn das bewegte Meer gleicht dem Leben, und nur dann schlägt mein Herz gesund, wenn die Wellen des Lebens recht hoch gehen.”
So schrieb einst Heinrich Heine, selbsternannter Hofdichter der Nordsee, über seinen Aufenthalt auf Helgoland – der einzigen deutschen Hochseeinsel.
Die Wildheit der Nordsee beschreibt er somit treffend. Heute schützt das gewaltige Eidersperrwerk das Hinterland vor den verheerenden Fluten, die zuletzt 1962 immensen Schaden bis tief in das flache und tiefliegende Schleswig Holstein anrichtet.
Doch wenn wir von der Nordsee sprechen – welchen Teil des Meeres bezeichnen wir damit eigentlich genau? Und welche Inseln liegen in der Nordsee?
Was ist die Nordsee?
Begrenzt wird die Nordsee im Westen durch die Britischen Inseln, im Ärmelkanal durch eine gedachte Linie zwischen Dover und Calais, im Süden und Osten durch das europäische Festland und im Norden durch die norwegische Halbinsel Stanlandet. Anrainerstaaten der Nordsee sind Belgien, die Niederlande, Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen und England. Die Nordsee ist ein Randmeer mit durchschnittlich weniger als 250 Metern Tiefe. Als Schelfmeer des atlantischen Ozeans umfasst es den überspülten europäischen Festlandsockel.
Die Wassertiefe der Nordsee nimmt in nördlicher Richtung zum offenen Atlantik hin zu, beträgt aber durchschnittlich nur 75 Meter. Der tiefste Punkt mit 725 Metern liegt in der norwegischen Rinne.
Die Nordfriesischen Inseln
Die Nordfriesischen Inseln, das sind (von Nord nach Süd)
die dänischen Inseln
- Fanø, die Insel mit viel Natur und dänischer Tradition
- Mandø, die kleine Schwester von Fanø, die einst Hallig war
- Rømø, die unkomplizierte Ferieninsel
die deutschen Inseln
- Sylt, die mondäne Freizeitgestaltung der deutschen Leistungsgesellschaft
- Föhr, die größte deutsche Insel ohne direkte Verbindung zum Festland
- Amrum, die friedliche Insel mit dem Kniepsand
- Pellworm, die eingedeichte Marschinsel, die grün bis an die Wasserkante ist
- Nordstrand, die grüne Insel mit Auto-Damm
Zu den nordfriesischen Inseln zählen auch Halligen, wiederum von Nord nach Süd:
- Langli, die einzige dänische Nordsee-Hallig
- Oland, die Hallig mit der Lore
- Langeneß, die lange Ausflugs-Hallig
- Gröde, die kleinste Gemeinde Deutschlands
- Habel, die kleinste Hallig
- Hamburger Hallig, die einzige Hallig mit Festlandverbindung
- Hooge, die Hallig der zehn Warften
- Nordstrandischmoor, die jüngste Hallig
- Norderoog, die unbewohnte Vogel-Hallig
- Süderoog, die Hallig der Deichschutzwarte
- Südfall, die Hallig der Wasserwarte
Außer Konkurrenz läuft außerdem die deutsche Nordseeinsel Helgoland, die als einzige Hochseeinsel der Bundesrepublik gilt.
Die Geschichte der nordfriesischen Inseln
Die nordfriesischen Inseln sind aus einer größeren Landmasse entstanden, die den Namen Strand trug. Sie war von Prielen durchzogen und immer den Gezeiten ausgesetzt. Ihre größte Siedlung war das legendäre Rungholt. Zwei außergewöhnliche Sturmfluten ließen die nordfriesischen Inseln entstehen:
- Die zweite Marcellusflut im Jahre 1362
Auch als Grote Mandränke wird die Sturmflut bezeichnet, die einschneidende Überspülungen der gesamten Küstenlandschaft zur Folge hatte. Strand wurde zum Großteil zerstört, nur eine Halbinsel um das heutige Nordstrand blieb übrig. Rungholt wurde während dieser Flut ebenfalls vollständig zerstört. - Die Burchardiflut von 1634
Diese Flut zerteilte die verbliebene Insel Nordstrand und ließ die Insel Pellworm und die Hallig Nordstrandischmoor entstehen.
Bis heute wird das Leben auf den Nordfriesischen Inseln von Wind, Wetter und Sturmfluten geprägt. Die Deiche und Dünen entlang der Küsten sind überlebenswichtig. Die Warften auf den Halligen dienen den Menschen als letzte Zufluchtsorte inmitten einer lebensfeindlichen Nordsee. Wer das Leben und die Mentalität der Menschen auf den nordfriesischen Inseln verstehen möchte, der muss die Sturmfluten und ihre Folgen verstehen.
Die Ostfriesischen Inseln
Die Ostfriesischen Inseln, das sind
- Borkum, die Hochsee-Insel fernab der Küste mit ausgezeichnetem Heilklima
- Juist, die autofreie Insel mit dem schönsten Strand
- Norderney, die vielseitige Insel mit ihren Prachtbauten und der langen Seebad-Tradition
- Baltrum, die kleinste und gemütlichste Insel – das “Dornröschen” unter den ostfriesischen Inseln
- Langeoog, die Sonneninsel mit Öko-Flair
- Spiekeroog, die grüne Perle mit alten Inselhäusern
- Wangerooge, die kleine Insel der kurzen Wege
Zwischen den bewohnten Inseln liegen dazu noch die unbewohnten Vogelinseln Mellum, Mindener Oog, Memmert, Kacheloplate und Lütje Hörn. Sie können per Bootsausflug besucht, aber nur mit Sondergenehmigung betreten werden.
Typisch Nordsee – Die Charakteristiken der Nordseeküste
Das Wattenmeer
Das Wattenmeer ist das größte Naturreservat in Deutschland und steht heute als Nationalpark Wattenmeer unter Schutz. Sichergestellt wird dies durch die Nationalpark-Verwaltungen der drei angrenzenden Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg. Das Wattenmeer ist das vogelreichste Gebiet Europas.
Die Nordsee und das Wattenmeer
An den südlichen Küsten der Nordsee (also der Nordsee-Küste von Kontinental-Europa) sorgen die stark ausgeprägten Gezeiten für einen außergewöhnlichen Lebensraum – das Wattenmeer. Mit dem geschützten Status als Weltkulturerbe kam etwas Entspannung in die ökologisch arg gebeutelte Nordsee – Havarien, Windparks, Ölteppiche, Überfischung haben die Nordsee zuvor gezeichnet. Nicht alle ökologischen Probleme sind heute gelöst, aber die eingeschlagene Richtung stimmt gleichsam positiv.
Gleichsam formt das Wattenmeer mit seinen Gezeiten auch die charakteristische Landschaft: Mit der Ebbe fallen ausgedehnte Küstenbereiche trocken, um Stunden später erneut geflutet zu werden. Diese stetige Bewegung führt zu einer fortwährenden Veränderung der Küstenlinie.
Diese Dynamik hat die Nordseeküste seit dem Ende der letzten Eiszeit geprägt. Damals lag der Meeresspiegel um etwa 100 Meter niedriger als heute – das Wasser war in den nördlichen Eismassen gebunden. Noch heute steigt der Meeresspiegel um wenige Zentimeter pro Jahrhundert. Die Küste wird erodiert, das abgeführte Material lagert sich zusammen mit den Sedimenten aus den Flüssen der Küste vorgelagert ab und bildet neues Land – Sandbänke, Untiefen oder gar neue Inseln. Eine weitere Naturgewalt bemächtigt sich dann der jungen Inseln: Der allgegenwärtige Wind türmt Dünen, an denen sich spezielle Pflanzen ansiedeln und dem Sand Festigkeit geben und weiteren Flugsand einfangen. Ein sich selbst verstärkender Mechanismus gerät in Gang. Noch immer formen sich auf diese Weise die charakteristischen Barriereinseln der Nordsee, die nach ihrer Besiedlung aufwändig befestigt werden müssen, um dem erneuten Abtrag Einhalt zu gebieten.
Die Gezeiten
Die Gezeiten sorgen im Wattenmeer für ständige Bewegung: Sedimente werden durch die Wasserbewegung abgetragen und andernorts wieder abgelagert. Sandbänke und Untiefen wandeln sich stetig in Form und Lage, die Fahrrinnen für den Schiffsverkehr müssen ständig neu abgesteckt werden. Gleichzeitig bringt die Flut zweimal am Tag Nährstoffe in die Biosphäre, die als Lebensgrundlage für allerlei Vögel, Muscheln und andere Tiere dienen.
Der Wind
Der immerwährende Wind sorgt ebenfalls für Bewegung – allerdings über der Meeresoberfläche. Die Brandung spielt den Sand an den Strand, wo er durch den Wind a!s Flugsand zu Dünen als natürliche Barriere entlang der Küsten geformt wird. Ein ganz spezieller und sehr empfindlicher Lebensraum entsteht, denn die Dünengräser wachsen wegen des geringen Nährstoffgehalts des Bodens sehr langsam. Mit der Zeit bildet sich in den Reifen Dünenlandschaften eine große Vielfalt an Pflanzen und Tierarten heraus – Feuchtbiotope in den Dünentälern unterstützen den Artenreichtum zusätzlich.
Die Deiche
Deiche befestigen jene Abschnitte der Küste, die nicht durch natürliche Gegebenheiten geschützt werden. Erst in jüngerer Zeit haben Deiche durch den Einsatz von Baumaschinen ungeheure Ausmaße angenommen und schützen die Küste somit zuverlässiger als zu früheren Zeiten, in denen die Deiche in knochenharter Handarbeit geformt werden mussten und nur wenige Meter hoch sein konnten. Einstmals dienten sie gar der Landgewinnung – in fortwährendem Kampf von Eindeichung und Entwässerung wurden dem Meer bedeutende Landmassen abgetrotzt, die wegen des salzigen Bodens jedoch fast ausschließlich für die Viehhaltung genutzt werden können. Oft wurde hinter den Deichen in großem Umfang Torf abgebaut. Zusammen mit der Entwässerung ergab sich ein Absinken des Bodens, oft unter den Meeresspiegel, was es umso schwieriger machte, die gewonnen Landstriche zu halten.
Salzwiesen
Vor dem Deich entstehen Salzwiesen, denn die künstliche Barriere sorgt dafür, dass sich jedes Jahr etwa 1 cm Schlick ablagert. Als erste Pflanze siedelt sich der Queller an, der auch extremen Salzgehalten und regelmäßigen Überflutungen standhalten kann. Die Menschen versuchen, diesen Prozess durch parallel verlaufende Gräben – Grüppen genannt – und Lahnungen – Holzpfähle mit Reisigverfüllung – noch zu beschleunigen. Die Salzwiesen sind Anziehungspunkt für viele Vögel und Insekten. Dies wird unterstützt, indem die Salzwiesen nicht mehr intensiv von Schafen Beweisstück werden. Brut- und Rastgebiete für viele heimische Vogelarten entstehen. Nur knapp 4% der Salzwiesen im Nationalpark Wattenmeer werden intensiv wirtschaftlich genutzt.
Vögel im Wattenmeer
Riesige Vogelschwärme bevölkern das Wattenmeer – dem vogelreichste Gebiet Europas. Neben den allgegenwärtigen Möwen zählen Austernfischer, Brandgänse, Eiderenten, Seeschwalben, Strandläufer und Kiebitze zu den häufigsten Arten an der Nordseeküste.
Nach den Stürmen im Herbst und Winter lässt sich häufig Bernstein an den Stränden finden. Im Sommer stehen die Chancen auf einen Fund dagegen schlecht – Bernstein schwimmt nur auf, wenn das Wasser kalt ist und daher eine hohe Dichte besitzt. Das begehrte Material entsteht aus dem urzeitlichem Baumharz subtropischer Nadelbäume, in einem Jahrmillionen währenden Prozess versteinert. Roher Bernstein kommt in verschiedenen Färbungen vor, die von Tiefbraun bis Honiggelb reichen. Im Vergleich zu gemeinen Steinen ist Bernstein sehr leicht und glänzt im Licht der Sonne.
Seehunde und Kegelrobben
Nachdem die Kegelrobbe über viele Jahre gänzlich aus dem Wattenmeer verschwunden war, kann man sie heute wieder entlang der Küste der Nordsee beobachten. Im niederländischen Wattenmeer existiert heute gar eine Kolonie mit mehr als 2000 Tieren. In der Gegend zwischen Borkum und Baltrum scheinen sich die Tiere besonders wohl zu fühlen. Ihren Namen verdanken die Kegelrobben ihrem entsprechend geformten Kopf, der bei den Männchen deutlich ausgeprägter ist. Die Geschlechter sind auch sonst gut zu unterscheiden. Die Männchen haben ein dunkles Fell, durchsetzt mit hellen Flecken, während die Weibchen invers gefärbt sind: Sie haben helles Fell mit dunklen Flecken. Kegelrobben sind deutlich größer als die artverwandten Seehunde.
Häufige Fragen zu den Nordsee-Inseln
Die deutschen nordfriesischen Inseln sind
Sylt, die mondäne Ferieninsel; Föhr, die größte deutsche Insel ohne direkte Verbindung zum Festland; Amrum, die friedliche Insel mit dem Kniepsand; Pellworm, die eingedeichte Marschinsel, die grün bis an die Wasserkante ist und Nordstrand, die grüne Insel mit Auto-Damm
Die größte Nordfriesische Insel ist Sylt mit 99 km² gefolgt von Föhr mit 83 km² und Nordstrand mit 50 km².
Die Ostfriesischen Inseln sind
Borkum, die Hochsee-Insel, Juist, die autofreie Insel; Norderney, die Insel der Kaiser; Baltrum, die kleinste und gemütlichste Insel; Langeoog, die Sonneninsel mit Öko-Flair
Spiekeroog, die grüne Perle mit alten Inselhäusern und Wangerooge, die kleine Insel der Vögel
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